Gesellschaftliche Fragestellung in der Literatur: 'Eine Welt ohne Geld?'

Buchbesprechung/Buchempfehlung

 

Taschenbuch: 240 Seiten

Verlag: Verlag VFI (1. überarbeitete Auflage 10. März 2011)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 9783033024342

ISBN-13: 978-3033024342

Autor: G.U. Grant

 

Das Buch mit dem Titel »Eine Welt ohne Geld? - Ideale für die Zeit nach dem Kapitalismus…und auch heute schon« (2011) geht auf Gedanken und ein Manuskript von 2005/2006 zurück und wurde 2011 veröffentlicht. Beim Namen G.U.Grant handelt sich natürlich um ein von Jules Verne inspiriertes Pseudonym, da der Autor sich nicht selbst in den Vordergrund stellen möchte. Es soll lieber das gewählte Thema von allen Seiten beleuchtet und im Sinne eines „vernetzten Denkens“ mit dem Leser seine Wirkung entfalten.

 

Die Gedanken wurden also genau in der Zeit zwischen den beiden großen Kapitalkrisen von 2001 und 2007 ff. notiert. Aus heutiger Sicht (2019) ist es deshalb besonders interessant auf diese Überlegungen quasi zurück zu blicken, denn wir sind immer noch mitten drin im Kapitalismus.

 

Der Autor versucht einen Roten Faden ganz allgemeiner Art zu spinnen, indem er naturbedingte, ontologische und psychisch-spirituelle Betrachtungen ins Zentrum rückt. Er klebt daher nicht an den üblichen Begriffen kritischer Theorie. Dies gibt ihm den Freiraum Begriffe ihres Wortstammes nach zu zerlegen und genauer zu hinterfragen, welche Bedeutung sie aktuell haben und wie man sie anders verstehen oder sogar neu zusammensetzen kann. Dies geschieht in Texten, zahlreichen Grafiken und Tabellen. Allein diese Herangehensweise ist sehr erfrischend zu sehen. Alles liest sich trotz der Komplexität des Themas sehr leicht und es beflügelt die eigene Fantasie. Der Autor geht nach eigenem Wortlaut quasi „wie ein Unternehmer vor“, der ein Sachproblem zu lösen hat, nämlich die Beantwortung der Frage, ob eine „eine Gesellschaft ohne Geld denkbar ist“ und wie sie etwa aussehen könnte, welchen Normativen sie folgen würde.

 

Bei der Beantwortung der Fragen geht er von emotionalen Grundbedürfnissen des Menschen aus - ein Aspekt, der meistens bei solchen Betrachtungen unterschlagen wird. Er betrachtet alle Lebensbereiche, findet Dinge, die er als erhaltenswert betrachtet, z.B. dass Menschen Berufe haben. Andere seien zu verändern, neu auszurichten oder komplett abzuschaffen. Er betrachtet dabei zum Vergleich jeweils immer eine Wirtschaftsversion (noch) mit Geld, die sich allerdings idealerweise am eigentlichen (Lebens-)Sachzweck ausrichten soll, mit einer Version, die es dann geschafft hat, geldfrei zu agieren. So wird erkennbar, dass es eine Übergangsphase braucht, so dass sich das eine aus dem anderen entwickeln kann. Er charakterisiert dabei eine geldfreie Gesellschaft als eine ohne den heutigen Leistungsdruck, ausgerichtet an ökologischen, sozialen und sinnlichen Belangen subjektiver Zufriedenheit (integrativer Weg), anstatt an egoistischem, monetärem Profitstreben.

 

Meine anfängliches Bedenken beim Lesen betraf zunächst die von ihm zitierte Definition von Kapitalismus, die eher phänomenologisch und subjektiv klang, anstatt auf objektive Grundlagen und Zusammenhänge zu verweisen. Aber ich kann sagen, dass das im Endeffekt seiner Analyse und Synthese keinen Abbruch tut.

 

Fazit:

Ein bislang hierzulande viel zu wenig beachteter Beitrag zur Diskussion um eine Zukunft jenseits des Kapitalismus. Leicht zu lesen, gut strukturiert und ein Plädoyer für eine neue Art Gesellschaft mit „Herz und Verstand“. Das Buch versucht erst gar nicht zu begründen, warum eine Gesellschaft ohne Geld besser sei und ein sinnvolles Ziel darstellt. Der Autor geht davon aus, das das ohnehin jedem schon vom Bauchgefühl her klar sein sollte, dass Kapitalismus nur eine Durchgangsphase der menschlichen Geschichte darstellt. Dem würde ich in vollem Umfang zustimmen.

 

Übrigens gibt es inzwischen eine quasi Fortsetzung in Form eines SciFi-Geschichte mit dem Titel „Zeitreise in eine Welt ohne Geld“ (2016), um noch näher zu beschreiben, wie sich so eine Gesellschaft aus Sicht der handelnden Protagonisten anfühlt und welche neue Rolle insbesondere das Weibliche darin spielt.

 

Homepage des Verlages:

https://www.ericzaindl-consulting.ch/?p=home

 

 

Autor: Holger Roloff