Gesellschaftliche Transformation in der Musik: 'Nie Wieder Krieg'

Musiktipp

 

'Ritual' von OOMPH!

 

 

Anfang der 1980er Jahre, mitten im Kalten Krieg, war die militärisch-atomare Bedrohung besonders groß. Die Oster-Märsche waren in aller Munde. Es gab Veranstaltungsreihen wie ROCK FÜR DEN FRIEDEN und selbst beim eher biederen Musikwettbewerb EUROVISION (heute ESC) trällerte die deutsche Sängerin NICOLE was von „Ein bisschen Frieden“. Und heute?

Kapitalismus war ursprünglich eine Kriegsökonomie, entsprungen der technologischen „Revolution der Feuerwaffen“. Geriet das System in die Krise, kehrte der Impuls zurück, wieder zu diesem Ursprung zurückzukehren. Das wiederholt sich heute. Viele Länder haben in den letzten Jahren große Rüstungsdeals abgeschlossen, ex- oder importieren Rüstungsgüter in großem Umfang. Parallel läuft die ideologische Aufrüstung und Militarisierung. Es wird politisch Druck ausgeübt, die Rüstungsetats zu erhöhen. Kein Wunder, dass die Oster-Märsche wieder da sind. Doch was machen die Musiker? Schlafen?

Keineswegs. Es wird vereinzelt wieder kräftig in die Saiten gegriffen und auf die Pauke gehauen. Allen voran haben die Rocker von OOMPH! (gesprochen Ùmpf) auf ihrem neuen Album „Ritual“ (2019) sich das Thema vorknöpft. Sie beleuchten seit jeher in ihren Texten die Ursprünge von Gewalt, Unterdrückung, Denkformen und falschen Identitäten. Diese sehen sie oft in den christlichen Grundwerten des Abendlandes, die wiederum Grundlage der modernen, bürgerlichen Arbeitsgesellschaften darstellen. Die Haltung der Band stellt Herrschaft an sich in Frage und tritt für Selbstbestimmung, unabhängiges Denken und zivilen Ungehorsam ein.

 

Angefangen hat die Band übrigens 1989 mit elektronischer Musik (EBM), fügte ihrem Sound dann immer mehr Gitarrenriffs härterer Gangart hinzu und wurde dann zu Musikrichtungen wie Industrial-Metal, NuMetal (sprich New Metal) und zur Neuen Deutschen Härte gezählt. Aufgrund der starken Melodien blieb der Erfolg nicht aus. Besonders in den 2000er Jahren sorgte die Band bei Konzerten für Begeisterung, fand regelmäßig in den Charts statt und landeten mit dem Song »Augen auf« (2004) ihren ersten Nr.1-Hit.

 

Ohne Frieden wird es keinen positiven gesellschaftlichen Wandel geben. Es wird höchste Zeit, dass viel mehr Musiker Stellung beziehen. Die Zeit erfordert es, das Thema wieder lauter und deutlicher ins Bewusstheit zu bringen. OOMPH! machen vor, wie gehen könnte und wurden vom Publikum erneut belohnt - sie erreichten damit die Nr.1 der Album-Charts. Danke!

 

 

Anspieltipps:

„Im Namen Des Vaters“ 

„Trümmerkinder“ 

„Tausend Mann und ein Befehl“ 

„Europa“

 

 

Webseite:

https://www.oomph.de

 

Discographie bei Discogs:

https://www.discogs.com/artist/43378-OOMPH

 

Eintrag bei wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Oomph!

 

 

 

Autor: Holger Roloff