Gesellschaftliche Fragestellung in der Literatur: 'After Work'

Nach der Arbeit - nur noch ausruhen?

 

Buchbesprechung/Buchempfehlung

 

Taschenbuch: 144 Seiten

Verlag: oekom verlag, München 2018 (1. Oktober 2018)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3962380566

ISBN-13: 978-3962380564

Autor: Tobi Rosswog

 

In diesem Buch mit dem Titel »After Work« (2018) geht es um „eine Gesellschaft nach der Ära der (Lohn-)Arbeit“, wie der Autor Tobi Rosswog es formuliert. Das Konzept der „Arbeit“ als gesellschaftliches Formprinzip befindet sich gerade in einem Umbruch - nämlich auf dem Rückzug - technologiebedingt. Kollege Roboter übernimmt. Arbeit wird historisch gesehen als Kategorie allmählich überwunden. Nur - was kommt danach?

In diesem Buch wird dieser Ablöseprozess aus Sicht derer reflektiert, die sich bereits im Stadium der sich nähernden Endphase befinden. Wie fühlt es sich an, da mitten drin zu stecken? Was passiert, wenn öffentlich von Politik, Medien und Institutionen wie BfA, Jobcenter usw. einerseits immer noch Lohnarbeit eingefordert wird, es aber kaum noch angemessen bezahlte und vor allem Sinn stiftende Arbeit vorhanden ist? Was macht das mit den nunmehr überflüssigen Menschen? Wie kommt man da gedanklich mit zurecht? Wie müssen wir unser Denken ändern? Wie gestaltet man sein Leben? Welche Ziele jenseits der „Arbeit“ lassen sich finden? Verschwindet damit auch einfach das Bedürfnis tätig, produktiv und kreativ zu sein? Was könnte und müsste sich gesamtgesellschaftlich ändern, um weiter handlungsfähig zu bleiben und den Übergang zu gestalten? Welchen neuen Formen braucht es, damit eine Gesellschaft auch zukünftig noch funktioniert?

 

Die Stärke dieses Buches besteht darin, dass der Autor genau solche Fragen aufwirft und über mögliche Antworten authentisch, d.h. von seinen eigenen Erfahrungen ausgehend, berichten kann, wie er und viele in seinem Umfeld damit umgehen. Er beschreibt, wie sie sich neu aufstellen, also zuerst die Sinnfrage stellen und dann versuchen im persönlichen Umfeld Lösungen zu finden, die mehr als ein Überleben möglich machen. Er zeigt wie gedankliche Wege im Umgang mit der Situation aussehen und wie sie aus der Gesamtproblematik hinaus weisen könnten. Vom Kleinen zum großen Ganzen und wieder zurück. Diese Philosophie ist im höchsten Maße relevant und wird eine immer größere Anzahl von potentiellen Lesern ansprechen.

 

Ist also nach der Arbeit nur noch Party oder gar sich auszuruhen bzw. lapidares Faulenzen angesagt? Nein, dazu hat der Autor keine Lust, lautet seine Antwort. Ganz im Gegenteil. Fallen die Marktbeschränkungen weg, dann geht es eigentlich erst richtig los. Es gibt durchaus Wege, sich schrittweise von der Waren- und Geldlogik unabhängiger zu machen. Es ist höchst bemerkenswert, wie schnell und deutlich der Autor dabei auf den Punkt kommt, immer logisch gut nachvollziehbar und ohne ideologische Schlenker oder gar ein Anbiedern an eine vielleicht gut situierte Mittelschicht als potentielle Leserschaft und damit mögliche Käufer des Buches. Hier wird endlich mal Klartext gesprochen.

 

Fazit:

Wer sich beginnt mit den Thema des Wandels zu befassen, findet mit „After Work“ einen sehr klugen Einstieg mit erfrischenden Gedanken, die sich auch nicht scheuen den Arbeitsfetisch, als das darzustellen, was er seinem inneren Wesen nach ist - eine irrationale Handlungsform. Allein damit ist der Autor Tobi Rosswog schon weiter als viele andere Autoren, von unzähligen Ökonomen oder Politikern ganz zu schweigen. Nicht jeder beschriebene Weg führt unmittelbar aus der Misere heraus (z.B. Containern), hilft jedoch situativ zu bestehen und damit kostbare Lebenszeit zu gewinnen, um Kraft zu tanken Gemeinschaften zu bilden, die das Potential haben, das scheinbar Unmögliche doch zu schaffen. Spannend, zeitgemäß, hochgradig lesenswert!

 

Homepage des Verlages:

https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/after-work.html

 

 

Autor: Holger Roloff