Gesellschaftliche Transformation in der Musik: 'Wir sind die Vielen'

Musiktipp

 

'Wir sind die Vielen' von BERNADETTE LA HENGST

 

 

Zugegeben - „Wir sind die Vielen“ ist intellektuell nicht wirklich ein schlaues Argument. Es rechtfertigt gar nichts. Denkt man jedoch an die aktuelle, weltweite politische Entwicklung - den Trend der bürgerlichen Mitte zu populistischen Parteien als Antwort auf die Systemkrise, dann ergibt das mit den Vielen durchaus Sinn, denn es leistet verbalen Widerspruch zur Behauptung der Populisten „das Volk“ zu sein. In einem durch und durch angepassten Milieu ist Widerspruch ein hohes Gut mit potentiell revolutionärem Charakter.

Wer traut sich heutzutage noch derartigen Widerspruch zu formulieren? Oder ihn sogar mit gesellschaftlichen Wünschen nach Veränderungen oder gar mit Utopien zu verbinden? Genau da kommt weibliche Energie ins Spiel. Sie steht seit jeher für Natur, Emotionen, Unzähmbarkeit, Unberechenbarkeit und wurde deshalb im bürgerlichen Patriarchat instinktiv gefürchtet. Zusammen mit Judith Holofernes (Ex-WIR SIND HELDEN) kommt man da vor allem an einer Musikerin hierzulande nicht vorbei: Bernadette La Hengst. Sie steht für handgemachte Musik und wurde mit der Band DIE BRAUT HAUT INS AUGE bekannt. Sie zählt aber spätestens seit ihrem Debüt-Album „Der Beste Augenblick In Deinem Leben“ (2002) auch solo zu den beachtenswerten Songschreiberinnen im Lande.

 

Die Künstlerin setzt sich stetig für gesellschaftliche Themen wie Mitbestimmung, Solidarität und künstlerische Freiheit ein und stellt in ihren Texten, die größtenteils in deutsch gehalten sind, entsprechende Bezüge her, wie in „Die da oben machen ja doch was wir wollen“ (2002), ihrem Plädoyer für Basisdemokratie, „Grundeinkommen Liebe“ (2012), in dem sie sich mit der dazugehörigen Aktion „Das bedingungslose Grundeinsingen“ für das Thema BGE stark machte oder „Wem gehört die Parkbank“ (2015), was als grundsätzliche Fragen um Eigentum und Mitbestimmung nach den Protesten der Occupy-Bewegung verstanden werden kann.

 

Ihr aktuelles Album hört wie gesagt auf den Titel „Wir sind die Vielen“ (2019). Darauf zieht sie auch internationale Verbindungslinien mit anderen Sprachen und experimentellen musikalischen Einflüssen aus Beirut, Marokko und dem britischen Raum. Auf jeden Fall eine Musikerin, mit der es sich lohnt zu beschäftigen, um die eigenen Lieblingslieder in ihrem Backkatalog zu entdecken.

 

 

Anspieltipps:

„Wir sind die Vielen“

„Grundeinkommen Liebe“

„Der Affe fällt nicht weit vom Stamm“

„Das Leben muss scheitern“

 

Webseite:

http://lahengst.com

 

Discographie bei Discogs:

https://www.discogs.com/artist/165093-Bernadette-La-Hengst

 

Eintrag bei wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bernadette_La_Hengst

 

Interview bei der Initiative „Mein Grundeinkommen“:

https://www.youtube.com/watch?v=pfrdyG9UZlo

 

Interview zum BGE-Engagement bei KIEKE MA FILM Berlin:

https://www.youtube.com/watch?v=RRDGarvz5Ro

 

 

 

Autor: Holger Roloff