Gesellschaftliche Fragestellung in der Literatur: 'Der Systemwechsel'

Utopie oder existenzielle Notwendigkeit ?

 

Buchbesprechung/Buchempfehlung

 

Taschenbuch: 144 Seiten

Verlag: Büchner-Verlag; Auflage: 1 (7. Februar 2018)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3963171057

ISBN-13: 978-3963171055

Autor: Albert T. Lieberg

 

Sein Wort sollte Gewicht haben. Autor Dr. Albert T. Lieberg ist langjähriger Berater für die UNO. Wenn sich jemand intensiv mit den Problemlagen der Welt beschäftigt und vieles aus nächster Nähe gesehen hat, dann er. Das Ergebnis seiner Reflexionen ist das Buch »Der Systemwechsel:  Utopie oder existenzielle Notwendigkeit?« (2018). Darin wehrt er sich auf überzeugende Art gegen die vorherrschende neoliberale Politik mit ihrer Diktatur des Marktes. Er zeigt auf, warum eine auf unendlichen Konsumwahn ausgerichtete Gesellschaft dauerhaft nicht funktionieren kann und auch in der Sache selbst keine gute und sozial gerechte Wirtschaftsform ist, selbst wenn sie technologisch ein sehr hohes Niveau erreicht hat und Unmengen an Produkten hervorbringt, also über alle Maßen produktiv ist.

 

Darüber hinaus beschreibt er auf Basis eines ganzheitlichen Ansatzes die Möglichkeit einer neuen Variante der Fortsetzung der Modernisierung. Politik bedeutet für ihn in diesem Sinne, alle gesellschaftlichen Sphären aufeinander abgestimmt und in der Sache bewusst zu entwickeln, anstatt dies dem Zufall abstrakter Marktverhältnisse zu überlassen. Dem Markt geht es nie um Bedürfnisse, sondern um Profit. Die Sache wird dafür jeweils nur ausgenutzt. Oft bildet beides sogar einen Gegensatz.

 

Das kennen wir aus dem Alltag 2018. Die aktuell in Deutschland herrschende Wohnungsnot belegt deutlich, was passiert, wenn dem Markt die Steuerung überlassen wird. Es fehlen über 1,5 Mio. Wohnungen. Das ist kein Versehen, kein kleiner Planungsfauxpas, sondern ein schwerer struktureller Systemfehler. Der Politik fiel das erst auf, als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. So trottet sie nun hinterher und versucht durch Bauprogramme und Förderungen eigene Sachfehler nachträglich mit viel Stückwerk wieder gut zu machen, wohlwissend, dass sich die Wohnungsnot für die Menschen noch viele Jahre hinziehen wird. Wer weiß, ob man es überhaupt schafft, die Lage in den Griff zu bekommen…aktuell sieht es nicht danach aus, da die Konzepte dazu erneut eine starke Schieflage aufweisen (neue Fehler wie max. nur 1/3 Sozialwohnungen einzuplanen).

 

Man kann dem Autor also nur beipflichten, dass seine Analysen den Kernpunkt treffen. Nur wenn man die Gesamtheit der Verhältnisse, Sinn und Zweck wirtschaftlichen Handelns überhaupt in den Blick bekommt, können solche Fehler strukturell vermieden werden. Dann kann es in der Evolution der Gesellschaft auch wieder sozialen Fortschritt geben. Davon losgelöste Technologien allein können den Blick darauf verstellen bzw. erzeugen sogar neue Probleme. Entscheidend sind stets die Effekte im Sinne sozialer Verbesserungen. Derzeit läuft das in Zentraleuropa bekanntlich in allen Lebensbereichen entgegengesetzt.

 

Fazit:

Dieses Buch ist ein starker Beitrag zur Debatte um eine machbare gesellschaftliche Utopie. Dem Autor gelingt es die Notwendigkeit zu begründen und Ansätze für neue Wege plausibel darzustellen. Es bedarf grundlegender und radikal neu gedachter struktureller Veränderungen, beginnend mit einer anderen Haltung und einem anderen Ziel.

 

Homepage des Verlages:

https://www.buechner-verlag.de/buch/der-systemwechsel/

 

 

Autor: Holger Roloff