Gesellschaftliche Fragestellung in der Literatur: 'CHAOS - Das neue Zeitalter der Revolutionen'

Buchbesprechung/Buchempfehlung

 

Taschenbuch: 240 Seiten

Verlag: Promedia (1.Auflage Oktober 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3853714269

ISBN-13: 978-3853714263

Autor: Fabian Scheidler

 

Der Autor Fabian Scheidler ließ bereits mit seinem Werk „Das Ende der Megamaschine“ (2015) aufhorchen. Die Fortsetzung trägt den Titel „Chaos - Das neue Zeitalter der Revolutionen“ (2017) und erweitert seine Gesellschaftsanalyse der kapitalistischen Modernisierungsgeschichte und Industrialisierung um weitere Kapitel und bislang noch nicht betrachtete Aspekte des Bewusstseins, der Ideologien - als Bemühungen, die Systemkrisen intellektuell zu verarbeiten einerseits, sowie die Versuche, sich daraus zu befreien oder wenigstens die Zumutungsverhältnisse zu lockern und den Einfluss von unten auf demokratischem Wege zu verbessern, auf der anderen Seite.

 

Ideologien sind Fehlleistungen menschlichen Denkens, da sie die Wirklichkeit nicht adäquat abbilden, was dazu führt, dass per Ideologie geführte Gesellschaften stets dazu neigen, an eben dieser Realität zu scheitern. Man stolpert regelmäßig von einer Krise in die Nächste, wobei deren Dichte zunimmt. Daraus entsteht eine widersprüchliche Gemengenlage, die innerhalb der traditionellen Denkformen nicht mehr aufgelöst werden kann, so dass dem Autor gar nichts anderes bleibt, als diesen historisch erreichten Umstand kurz und knackig mit dem Begriff „Chaos“ zu fassen. Er beschreibt auch die Tricks einer Art „Politik der Tribute“, die das System über seinen inneren Totpunkt hinaus künstlich am Leben erhalten hat. Diese Einsicht deckt sich mit anderen Analysen und Theorielinien wie der „Wertabspaltungstheorie“.

 

Scheidler gibt auch einen Einblick in den aktuellen gesellschaftlichen Wandel und eröffnet dem Leser mögliche Ansätze, in welche Richtung Entwicklungswege der Zukunft jenseits des heutigen Hamsterrades liegen. So spielen im Kapitel „Wege zu einer zukunftsfähigen Ökonomie“ auch Gemeineigentum und COMMONS eine Rolle. Dabei spricht er zahlreiche theoretische Fragen an, die in der kritischen Theorie noch nicht vollständig geklärt sind und als umstritten gelten. Läßt sich die bisherige Modernisierungsgeschichte einfach so geradlinig fortschreiben, wie uns systemkonforme Ökonomen gerne weiß machen wollen? Was müsste sich im Bewusstsein und den Strukturen wenigstens minimal ändern, um das Überleben auf der Erde sicher zu stellen? Kann man eine echte Alternative überhaupt noch auf Basis von Begriffen und Kategorien wie Eigentum und Geld finden? Reicht die Idee politischer Revolutionen noch aus?

 

 

Fazit:

Sehr verständlich zu lesen. Eines der wichtigsten Bücher zum Thema Geschichte der Modernisierung unter dem Diktat des Kapitalismus und historische Versuche für einen gesellschaftlicher Wandel. Eine sehr gute Fortsetzung und Ergänzung zu „Das Ende der Megamaschine“ und ein wichtiges Referenzwerk, welches Ausgangspunkt zur weiteren Diskussion sein könnte.

 

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Autor: Holger Roloff