Gesellschaftliche Transformation in der Musik: 'American Utopia'

 

Musiktipp

 

'American Utopia' von DAVID BYRNE - (Veröffentlichung vom 09.03.2018)

 

David Byrne ist zurück auf der Bühne und in den Musikregalen der Welt. Wir hatten an ihn bereits im Zusammenhang mit dem Album von St. Vincent erinnert, mit der er schon 2012 ein gemeinsames Album veröffentlicht hatte. Bekannt geworden ist er eigentlich als New Wave-Musiker mit der Gruppe TALKING HEADS zwischen 1977 und 1988. Nun ist ein weiteres Solo-Album mit dem wunderbaren Titel „American Utopia“ (2018) erschienen.

 

Dazu muß man wissen, dass der britisch-amerikanische Songwriter David Byrne durchaus zu den Intellektuellen in den Staaten zählt, der über seine Musik hinaus stets die Welt als Ganzes im Auge hat. Er ist bekannt für sein sein soziales Engagement und tritt durchaus auch mal jenseits der Musik in Erscheinung, um den öffentlichen Diskurs mit seinen Sichtweisen einzubringen (z.B. Vortrag Reasons To Be Cheerful talk - Jan. 8, 2018  in dem er zeigt, dass es auch viel Positives in der Welt zu berichten gibt). Seine humorvoll-kritischen Beiträge sind genau so herzerfrischend, wie seine Songs mit hintergründigen Texten. Beide vermag es zum Nachdenken anzuregen. Dabei bestehe die große Kunst gerade darin, immer zu wissen, was zu tun ist („Doing The right Thing“).

 

Byrne ist ein ein musikalischer Philosoph des Alltags, dem man gern zuhören mag. Er wertschätzt die kleinen Dinge und Details des Lebens („Everday Is A Miracle“, „Here“), scheut sich aber auch nicht dabei schmutzige Themen anzupacken (“Gasoline And Dirty Sheets“, „Bullet“) oder sich zur großen Politik zu äußern und seiner Vision von einem ganz anderen Amerika Ausdruck zu verleihen („Dog`s Mind“, „It`s Not dark Up Here“). Musikalisch wandelt er dabei stilsicher in den Spuren von Weltmusik zwischen rhythmischen Klängen, Avantgarde und sanfter Melancholie eigener früherer Wave-Tage. Alles wird durch seine unverkennbare Stimme zusammengehalten, die ein mystisches Flair hat.

 

Das passt und stößt auf Resonanz. So arbeitete er für dieses Album mit der Detroit School Of Art zusammen, wo ein ganzer Chor in sein „Everybody`s Coming To My House“ einstimmt - sein Zeichen gegen Mauern jeder Art - egal ob physische oder in den Köpfen, wobei letzteres ja stets voraus geht. In Zeiten der Ausgrenzung von Menschen, regelmäßigem Amokläufen mit Waffen und einer scheinbar schweigenden grauen Massen, verleiht David Byrne ihr dennoch eine Stimme, hat Erfolg und zeigt, dass seine Utopie durchaus Zuspruch auch im eigenen Land erfährt. Für uns ein interessanter Einblick in die auch noch existierende, andere Seite von Amerika.

 

 

Anspieltipps:

„I Dance Like This“

„It's Not Dark Up Here“

„Doing The Right Thing“

„Everybody's Coming To My House“ (Chor)

 

TV-Auftritt:

https://www.youtube.com/watch?v=07G4xhSefuI

und hier:

https://www.youtube.com/watch?v=ZSkIQkCnBkQ

 

Discographie bei Discogs:

https://www.discogs.com/de/artist/3918-David-Byrne

 

Homepage:

http://davidbyrne.com

und

http://www.nonesuch.com/artists/david-byrne

 

mit der Band TALKING HEADS:

https://www.discogs.com/de/artist/22854-Talking-Heads

 

zusammen mit St. Vincent:

http://davidbyrne.com/explore/love-this-giant

 

 

Autor:   Holger Roloff