Gesellschaftliche Fragestellung in der Literatur: 'Review/Kritik vs. POSTKAPITALISMUS'

 

Buchbesprechung/Buchempfehlung

 

 „Ein Postkapitalismus, der gar keiner ist“

Verlag: Exit Redaktion (2018)

Sprache: Deutsch

Quelle: http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=28&posnr=576&backtext1=text1.php

 

bzw.

 

„Postkapitalismus - Grundrisse einer kommenden Ökonomie“ 

Verlag: Suhrkamp Verlag Berlin (2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3518468456

ISBN-13: 978-3518468456

Englischer Originaltitel: „PostCapitalism. A Guide To Our Future“

 

 

Zum Jahresbeginn 2018 machen wir mal etwas Besonderes. Wir empfehlen anstatt des eigentlichen Buches lieber dessen kritische Besprechung.

 

Das Ausgangswerk dieses Vergleiches ist das Buch „Postkapitalismus - Grundrisse einer kommenden Ökonomie“ (2016) von Paul Mason.

 

Die Buchkritik dazu „Ein Postkapitalismus, der gar keiner ist“  stammt vom deutschen Autor Richard Aabromeit, der für die Theoriezeitschrift EXIT! tätig ist.

 

Paul Mason ist ein einflußreicher, englischer Journalist und Autor mehrerer gesellschaftskritischer Bücher. Der sozialdemokratische Politiker Jeremy Corbyn nimmt in Großbritannien vielleicht Bezug auf die Arbeiten von Mason, der sich wiederum für die politische Ausrichtung von Corbyn begeistern kann.

 

Interessant wäre es da sicherlich, ob es im Vereinigten Königreich nicht derzeit noch andere Theoretiker und Autoren gibt, die inhaltlich mehr bzw. noch gänzlich andere Sichtweisen und Vorstellungen vertreten… Das darf an dieser Stelle zunächst mal offen bleiben. Vielleicht läßt sich die Lücke später noch füllen.

 

Richard Aabromeit verfasst hierzulande gesellschaftskritische Beiträge im Kontext der sogenannten „Wertabspaltungstheorie“. Um seine Perspektive nachvollziehen zu können sei vorangestellt, dass er dabei eine grundlegende Kritik der Basiskategorien des Kapitalismus und damit natürlich einen viel tiefer gehenden Ansatz vertritt, als es einem letztendlich noch voll dem kapitalverwertenden (Arbeits-)System verhafteten Autor wie Mason möglich ist (daran ändert auch dessen Kritik daran wenig). Genau aus dieser theoretischen Differenz speist sich der spannende Vergleich der beiden Schriften.

 

Aabromeit fackelt dabei nicht lange rum. Ihm gelingt es, in aller gebotenen Kürze, die zentralen Themen von Mason gezielt zu strukturieren und dessen wichtigste Argumente, Erzählweisen, Mythen und Fantasien als haltlos zu entlarven. Mason macht es seinem Kritiker dabei insofern sehr leicht, da er sich in theoretischen Widersprüchen bewegt und ihm, was die Genauigkeit seiner Recherchen angeht, fatale journalistische Fahrlässigkeit sowie Fehler unterlaufen. So ist es für Aabromeit in lesenswerter Weise ein leichtes Spiel, Mason inhaltlich zu demontieren und an passenden Stellen mit Polemik regelrecht zu überschütten. Für an kritischer Theorie interessierte Neuleser bietet Aabromeit dabei zahlreiche Hinweise und Stichworte, die man aufgreifen und ihnen mit eigene Recherchen folgen kann, um selbst tiefer in die Materie vordringen und mehr verstehen zu können.

 

Fazit:

Nicht überall, wo Autoren eine verheißungsvolle Alternative anpreisen, steckt bei genauerem Hinsehen tatsächlich eine drin. In diesem Fall ist es inhaltlich ergiebiger und kostbare Lebenszeit sparender, die relativ kurzen Anmerkungen zu Paul Masons Buch zu lesen, als das umfangreiche Ausgangswerk (über 400 Seiten) selber.

 

Die Frage bleibt allerdings, warum der eine Autor es schafft mehr zu sehen, als der andere? Wie entstehen so unterschiedliche Perspektiven, wo doch beide aktuelle Vertreter einer modernen Kapitalismuskritik sind? Beide schauen doch das Gleiche an…oder?

 

Wie sagte schon Jean-Luc Picard in „Star Trek - Der Aufstand“:

 

„Nichts ist komplizierter als die Wahrnehmung“

 

 

Autor:   Holger Roloff