Gesellschaftliche Fragestellung in der Literatur: KARTOFFELN UND COMPUTER

Buchbesprechung/Buchempfehlung

 

Taschenbuch: 80 Seiten

Verlag: Edition Nautilus (2012)

Sprache: Deutsch

Print-ISBN: 978-3-89401-767-5

Ebook EPUB ISBN: 978-3-86438-092-1

Ebook PDF ISBN: 978-3-86438-093-8

 

Ein Autor, der sich schon länger damit einen Namen gemacht hat, über Utopien und echte Alternativen zur heutigen Wirtschaftsform und patriarchalen Gesellschaft nachzudenken, ist ein Schweizer Bürgeraktivist, dessen Namen wir eigentlich gar nicht kennen, da er als Autor nur mit dem Kürzel P.M. auftritt. Besonders sein erstes Werk „bolo`bolo“ (1983) ist so beliebt, dass es immer wieder neu aufgelegt wird. Hier soll es aber um sein aktuelles Werk gehen. Es trägt den Titel „Kartoffeln und Computer - Märkte durch Gemeinschaften ersetzen“ (2012).

 

Die Kartoffeln stehen dabei symbolisch für den stofflichen Reichtum, den wir zum Leben als Naturvoraussetzung objektiv brauchen und inzwischen arbeitsteilig gelernt haben mehr als ausreichend zu produzieren, damit jeder in Fülle leben kann und z.B. (eigentlich) niemand mehr hungern müsste. Wie wir wissen, ist dem weltweit gesehen leider (noch) nicht so. Der Grund liegt nicht etwa in einem Mangel an Produktion oder Ressourcen, sondern daran, wie wir damit umgehen. Das wiederum hängt maßgeblich davon ab, wie wir uns wirtschaftlich und sozial organisieren. Derzeit wird Wirtschaft immer noch bestimmt vom Geld als abstrakter Ausdruck von wertmäßigem Reichtum. Der ist jedoch verbunden mit Krisen, Kriegen, Hunger, Umweltzerstörung und aktuell mit einem regelrechten Holocaust an Tier- und Pflanzenarten, wie es ihn nie zuvor auf der Erde gab. Wie können wir davon wegkommen?

 

Die Ausgangsidee des Buches ist die Einsicht, dass es letztlich nur an unserem Denken sowie an den sozialen Formen liegt, die wir uns als Gesellschaft selbst geben. P.M. macht sich gedanklich an eine Synthese eines neuartigen Systems heran, welche die Elemente und technischen Möglichkeiten für eine bedarfsgerechte Produktion (dafür steht der Begriff Computer) so komplett neu zu denken und anzuordnen, dass Strukturen erkennbar werden, die ein Zusammenleben frei von heutigen Strukturkrisen ermöglichen. Die Vorteile so einer anderen Systemstruktur wären so gravierend und alle Lebensbereiche erfassend, dass sich ein Nachdenken darüber und ein Engagieren für diese Idee dafür lohnt.

 

Geordnet nach einer sinnvollen sachlichen Nutzung aller materieller Ressourcen, einerseits sowie existierenden Bevölkerungsgruppen von Land, Region, über heutige Städte und Staaten bis hin zu subkontinentalen Ordnungskreisen, letztlich bis zum ganzen Planeten, zeigt P.M. Möglichkeiten der Selbstorganisation auf, die bewusst geschaffen werden könnten. Es können ausgehend von lokalen Gruppen Gemeinschaften entstehen, die sich gegenseitig verbindlich und verantwortlich fühlen, ihr Leben in allen Bereichen durch teilhabende Demokratie zu organisieren und alle Produkte und Dienstleistungen zu erzeugen, die man für ein gutes Leben braucht. Mitmach-Basisdemokratie anstatt ortsferner Entscheidungen durch Politiker oder Aktionäre, die die Lage vor Ort oft gar nicht kennen oder wider der Kenntnis einfach ignorieren.

 

Das könnte langfristig mit erheblichen gesellschaftlichen Vorteilen einhergehen. Der gesamtgesellschaftliche Aufwand an notwendiger Arbeitszeit würde z.B. dramatisch sinken, da viel vom heutigen Aufwand entfällt. Märkte und somit Geld werden langfristig überflüssig, denn die Teilhabe der Menschen könnte zukünftig direkt (freie Güter) erfolgen, anstatt indirekt vermittelt über den Umweg des Geldes. Wie ist das möglich?

 

Die Antwort lautet: durch COMMONS. Deren Aufbau, ihre gesellschaftlichen Sphären und Bereiche, ihre Aufgaben, Pflichten und Möglichkeiten sind das Kernthema des Buches. Dabei bleibt der Autor so allgemein(gültig) formulierend wie möglich, wird aber so konkret wie für das Verständnis nötig und sachlich sinnvoll.

 

In einem weiteren Abschnitt des Buches macht sich der Autor Gedanken zum Übergang vom Heute zu so einem neuen System, dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel, der Bedeutung der Formen „Politik“ und „Staat“ und deren Rolle bei der Gestaltung von Rahmenbedingungen, die so einen Systemwandel begünstigen können. Auch die Finanzierung so eines Übergangsmodells wird grob überschlagen und zeigt auf, dass uns heute in den Industrieländern weit mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, als wir für eine derartige Umgestaltung benötigen würden. Es ist also realistisch und machbar. Setzt man das Geld klug ein, macht es das Leben zukünftig in allen Bereichen tendenziell von Geld und Kapital stufenweise unabhängig(er), bis sich Geld final ganz ersetzen lassen könnte. Damit entfallen auch die heute allgegenwärtigen Krisen.

 

Dieses Buch enthält in einzigartiger Weise gebündelte Informationen rund um das Thema COMMONS und vieles, was an Grundideen damit perspektivisch zu tun hat. Es geht dem Autor dabei erkennbar nicht darum, dass seine Ideen und Vorschläge als Stereotyp eins zu eins umgesetzt werden, sondern viel mehr um einen Impuls, seine Anregungen aufzugreifen und in seinem Sinne zu ergänzen. Jedem Leser dürften dazu neue, das Konzept erweiternde Ideen einfallen.

 

Der Autor P.M. widerlegt anschaulich die angebliche „Alternativlosigkeit“ des kapitalistischen Ökonomiemodells. Eine andere Welt mit Effekten wie Gerechtigkeit, Frieden und eine saubere Umwelt ist möglich! Sie ist jetzt schon denkbar! Nur was man denken kann, läßt sich auch machen.

 

 

Autor:  Holger Roloff

 

 

 

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