Gesellschaftliche Fragestellung in der Literatur: TRANSFORMATIONSDESIGN

Buchbesprechung/Buchempfehlung

 

Taschenbuch: 240 Seiten

Verlag: oekom verlag (erhältlich seit 20. Februar 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3865818455

ISBN-13: 978-3865818454

 

Die Zahl der Buchtitel, die sich heutzutage mit dem gesellschaftlichen Wandel beschäftigen, ist enorm gestiegen. Mit der wachsenden Notwendigkeit, selbstkritisch über unser heutiges Wirtschafts- und Gesellschaftssystem nachzudenken, widmen sich auch immer mehr Autoren diesem Themenkomplex. So auch Bernd Sommer und Harald Welzer in ihrem Buch

„Transformationsdesign: Wege in eine zukunftsfähige Moderne“.

 

Bernd Sommer ist Soziologe und leitet den Forschungsbereich Klima, Kultur & Nachhaltigkeit am Flensburger Norbert Elias Center (NEC). Harald Welzer ist Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und Direktor von »Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit«.

 

Die Autoren analysieren die Situation in Sachen Klima, Krisen und Knappheit der Ressourcen. Sie lassen ebenso Revue passieren, welche Versuche geschichtlich bisher unternommen wurden, aus dem Dilemma auszubrechen. Dabei stoßen sie ebenso auf erkennbare Muster, die bislang verhindert haben, echte Auswege zu finden, als auch die Gründe, warum die ökologische Basisbewegung einen starken Einfluß hatte und allmählich zu einem Umdenken führt.

 

Ausgehend von diesen Einsichten, rollen sie die Idee eines Transformationsdesigns auf. Das bedeutet neue Fragen aufzuwerfen. Welche Argumente und Wege führen letztlich dazu, Veränderungsprozesse in die Wege zu leiten, die dann tatsächlich zu Verbesserungen und nicht nur zu den üblichen Verschlimmbesserungen führen? Das fördert Anregungen zu Tage für alle, die sich wünschen mehr tun zu können. Aber auch diejenigen sollten die Gedanken dieses Buches nachvollziehen - und es sei ihnen deshalb empfohlen, die bisher noch unentschlossen sind oder an der Notwendigkeit eines Wandels noch Zweifel hegen. Hier findet man eine klare Einheit der Verbindung von Fakten und dessen, was daraus als objektiv notwendig zu tun wäre, auch wenn daraus zumindest oberflächlich starke Interessenkonflikte bzw. -neuausrichtungen resultieren.

 

Die erste Erkenntnis lautet, dass unser heutiger Lebensstil so nicht dauerhaft eins zu eins weiter geführt werden kann. Andernfalls würden wir die eigenen Naturgrundlagen nachhaltig zerstören. Dann wäre sowieso bald Schluß, allerdings auf sehr unangenehme und schmerzvolle Weise, was zu sozialen Unruhen und Gewalt gegen die vermeidlich Schuldigen sowie im Streit um die letzten verfügbaren Ressourcen führen könnte. Das ist heute weltweit schon in vielen gescheiterten Staaten („failed states“) zu beobachten. Die Flüchtlingsströme sind eine Erscheinungsform und Folge davon.

 

Der Wandel wird sich nach Einschätzung der Autoren jedoch kaum aus dem Status Quo heutiger Machtverhältnisse heraus umsetzen lassen. Es bedarf des Wandels von unten und damit eines grundlegenden sozialen Umbruchs, dessen Protagonisten andere Ziele als Profitstreben als alleinig gültigen Weg vertreten. Dieser Gedanke wäre dann eigentlich der Ausgangspunkt für eine tiefer gehende, kategoriale Kapitalismuskritik, die hier jedoch nicht formuliert wird.

 

Der Grund dafür ist schnell gefunden. Die Autoren nehmen eine Haltung ein, die sich trotz aller Kritik deutlich um eine Anschlussfähigkeit an die heutigen Diskurse im akademischen Geschäftsbetrieb bemüht, dessen Vertreter sie letztendlich auch sind. Das ist zugleich die Schwäche und die Stärke des Buches.

 

 

Autor:  Holger Roloff

 

 

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