Conflict - Food .... Gedanken über eine Nahrungsmittel-Messe

Am Wochenende (8./9.10.2016) war ich auf einer Messe mit dem schönen neu-deutschen Wort 'Craft Food', sprich handgemacht - kleine Manufakturen. Da wir dort mit unserer Brennerei einen Stand hatten, nutzte ich die Chance etwas herum zu stöbern. Viele leckere Sachen und durchaus wirklich gute Qualitäten. Es ist ein schöner Schritt in Richtung eines besseren Lebens, wenn unsere Nahrungsmittel endlich wieder zu 'LEBENS' - Mitteln werden und die Menschen aktiv etwas selbst in die Hände nehmen. Was mich jedoch stört, ist die stoffliche In-Effizienz:

Viele dieser Hersteller produzieren nur sehr wenige Produkte (Einer macht Popcorn, der Nächste nur 3 Sorten Brotaufstrich, etc.) und alles muß der Kunde dann bei jedem Hersteller extra bestellen. Abgesehen vom zeitlichen Aufwand für denjenigen, der einfach nur sein Essen haben möchte, erzeugt das auch unnötigen Verpackungsmüll und verschwendet Transportenergie ohne Ende. Und natürlich muß noch jeder Hersteller mit Jedem, der das Gleiche produziert, konkurrieren. Alles in Allem zeigt sich hier mal wieder deutlich, wie extrem ineffizient und konfliktreich unser kapitalistisches Gesellschaftssystem ist. Um wieviel einfacher, direkter und friedlicher könnten benötigte Lebensmittel dagegen durch Prosumenten in einem commonsbasierten Gesellschaftssystem hergestellt und verteilt werden.

Ein unerwartetes Highlight hatte diese Messe dann allerdings doch noch:

Ein Unternehmen mit dem Namen 'Conflictfood' . Diese engagierten Leute reagieren auf die aktuelle Lage der Flüchtlingskrise, indem sie einen direkten Handel mit Kleinbauern aus Krisen- und Konfliktregionen betreiben. Um dort langfristig eine Perspektive schaffen, lokale Strukturen stärken und Fluchtursachen an der Wurzel bekämpfen. Es ist nicht das übliche 'Fair-Handel'-Konzept. Es sollen 'andere Geschichten' erzählt werden. Hier ein Auszug aus dem Manifest:

 

'Bei uns werden die Produzenten und Herkunftsländer in den Vordergrund gerückt.

Wir zeigen eine andere Seite der Regionen über das dominante Krisenimage hinaus – es geht uns um die fruchtbaren Potentiale, die kulturelle Vielfalt und die Kreativität und Courage der Menschen vor Ort.

Bei uns sollen diejenigen zu Wort kommen, deren Stimmen sonst kein Gehör finden.'

 

Diese Geschichten kommen als zeitungsartige Beilage zum Produkt dazu. Das erste Produkt ist:

'Safran-Anbau statt Opium aus einem selbstverwalteten und unabhängigem Frauenkollektiv'

Es wurde von Conflictfood aus eigenen Ersparnissen finanziert.

Get Freekeh !  - Crowdfunding

 

Für das neueste Produkt 'Freekeh' - eine besondere Art Weizen aus Palästina - wurde ein Crowdfunding gestartet (irgendwann sind die Ersparnisse halt aufgebraucht ;-)) Das Bild rechts ist mit der Kampagne verlinkt.

Klar, das ist nicht das angestebte Leben und Produzieren vor Ort. Aber es hat einen anderen Aspekt. Und der hat mich so begeistert, dass ich auf unserer Website eine weitere Rubrik ins Menü aufgenommen habe:

 

'Spezielles'.

Dort werden wir Projekte auflisten, welche Nothilfe leisten, um die durch den Kapitalismus entstandenen Schäden abzumildern.

 

 

Autor:   Stefanie Haupt

 

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